Wir über uns

Entstehen und Wirken des Bund der Antifaschisten in Lichtenberg Im Jahr 1990 – in unruhigen und ungewissen Zeiten, fanden sich auch in Berlin-Lichtenberg Menschen zusammen, die meinten, dem was entgegen setzen zu müssen. Berüchtigt war der Bezirk in diesen Monaten durch Aktivitäten von Neonazis aller Art – besetzte Häuser in der Weitlingstraße, obskure Zusammenschlüsse, wie NA u. a. sowie durch Angriffe auch sgn. Demokratischer Parteien gegen Straßennamen und Denkmäler antifaschistischer Art. Unvergessen z. B. die Rückbenennung der Jacques-Duclos-Straße in die nach dem alten preußischen Haudegen Möllendorff benannte. Vertreter von CDU und SPD wirkten dabei Hand in Hand, der eine hielt die Leiter, der andere das Straßenschild. Erbitterte Auseinandersetzungen gab es auch in der Hermann-Duncker-Straße, die nach obskuren Angriffen auf den Namensgeber wieder den Namen Treskowallee erhielt. Das alles rief den Widerstand und die Empörung derjenigen hervor, für die Antifaschismus nicht „verordnet“ war und ist. Schon 1990 wurde deshalb, wie in anderen Stadtbezirken, der BdA gegründet, erst 1992 waren jedoch alle bürokratischen Hürden überwunden und die Eintragung ins Vereinsregister vollzogen. Seitdem bemühen wir uns unsere Aufgaben im Stadtbezirk mit Inhalt zu füllen. Was waren und sind diese Aufgaben? Einmal: Die Erinnerung an den antifaschistischen Widerstand und an andere progressive Traditionen unserer Geschichte, um diese nicht in Vergessenheit geraten und nicht verfälschen zu lassen. Zum anderen: Mit den bescheidenen Kräften eines kleinen Vereins der aufflackernden Gefahr einer extremen Rechten, unter welchem Namen auch immer, zu begegnen. Beispielhaft dafür war die damalige Gründung der Initiative gegen Rechtsextremismus, die, ausgehend von den Umtrieben um das Café Germania, über eine Reihe von Jahren einiges bewegte und Gleichgesinnte (von ganz links stehenden Jugendlichen bis zu Pfarrern) um sich scharte. All das ging und geht nicht ohne Bundesgenossen, und von denen gibt es in unserem Stadtbezirk eine Menge. So hatten wir das Glück, bis auf die Anfangsjahre nach 1990, Bürgermeister und den größeren Teil des Bezirksamtes sowie der BVV um uns zu haben. Eine Zusammenarbeit war so ohne Komplikationen möglich. Es gelang, die Straßenumbenennungswut zu stoppen und festzuschreiben, dass Namen ermordeter antifaschistischer Widerstandskämpfer nicht beseitigt werden dürfen. Zerstörte oder entwendete Gedenktafeln wurden erneuert, andere neu angebracht. Erinnerung an Widerstandskämpfer zu runden Jahrestagen und an historische Ereignisse, betrachten wir als eine unserer Aufgaben. Dazu gehören: Die Märzkämpfe von 1919 und das Gedenken an der „Blutmauer“ in der Möllendorffstraße; Würdigung der Kämpfer der Antihitlerkoalition am 8. Mai in Karlshorst; der 27. Januar zur Erinnerung an die Gesamtheit der Opfer des Faschismus. Gute Erfahrungen haben wir gemacht bei Aktionen mit jungen Antifas (so besuchten wir gemeinsam das Jüdische Museum, das Haus der Wannsee-Konferenz, die Gedenkstätten Seelower Höhen und Plötzensee) und mit Bündnissen (Initiative gegen Rechtsextremismus in Karlshorst, Bündnis für Demokratie und Toleranz, Bündnis für soziale Gerechtigkeit). Die Bildung der Bündnisse geschah vor und nach dem mit vielen Berlinern blockierten Naziaufmarsch am 6.12.2008, als auch unsere Bürgermeisterin, die mitblockierte, in die Schlagzeilen geriet. Unsere Begegnungen finden u. a. aus Mangel an Raum eher sporadisch statt. Das kann sich ändern. Wir wollen in einer Kooperation mit dem Kulturverein Lichtenberg (KULTschule) gegen Rassismus, Neonazismus und Krieg zusammenarbeiten und dadurch Bekanntheit erhalten. Großer Gewinn für uns war 2007 die Verschmelzung des BdA mit der VdN-Bezirksorganisation. Eine Zusammenarbeit gab es schon lange, nun wurde sie sachlich verankert. Die Sorge um unsere alten Widerstandskämpfer und deren Angehörige haben wir immer als selbstverständlich angesehen. Was wollen wir für die Zukunft? Weitermachen natürlich, möglichst besser, möglichst auch allmählich mit einer jüngeren Mannschaft. Zum Schluß möchte ich mit dankbarer und freundschaftlicher Erinnerung an unsere Gründerväter und -mütter erinnern, die uns schon verlassen haben: Walter Lindenberg, Joachim Hoffmann, Richard Lindner, Horst Wittke, Inge Wittstock, Rolf Schulze. Ohne sie hätte es uns nicht gegeben. Erika Rathmann, Dez. 2010 VVN-BdA Lichteberg e.V.